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Das Hören im Fokus

v.l.n.r.: Dr. Wolfgang Luxenberger, Neuroth-CEO Lukas Schinko und Hörgeräteträger Ernst Trammer (Quelle: Christof Hütter/ballguide)

„Schwerhörigkeit – (noch) ein Tabuthema?“ – unter diesem Motto lud die Kleine Zeitung vor kurzem zu einer Expertenrunde in Graz. Ein HNO-Arzt, ein Hörgeräte-Experte und ein Hörgeräte-Träger im Gespräch.

Weltweit sind rund 466 Millionen Menschen von einer Hörminderung betroffen, also etwa sechs Prozent der Weltbevölkerung. Bei den über 74-Jährigen leidet jeder Dritte an einem Hörverlust. Nur 37 Prozent der Schwerhörigen tragen aber auch ein Hörgerät. Obwohl 97 Prozent aller Hörgeräte-Träger finden, dass sich ihre Lebensqualität durch die Hörgeräte verbessert hat.

„Schwerhörigkeit – (noch) ein Tabuthema?“ – unter diesem Motto tauschten sich vor kurzem auf Einladung der „Kleinen Zeitung“ die drei Hörexperten Dr. Wolfgang Luxenberger (HNO-Facharzt in Frohnleiten), Ing. Lukas Schinko (Vorstandsvorsitzender von Neuroth) und Ernst Trammer (Pensionist und Hörgeräteträger aus Wien) aus.

Was die häufigsten Ursachen für eine Hörminderung sind, welche Auswirkungen sie haben kann und welche Erfahrungen ein Hörgeräteträger gemacht hat, das „Besser leben“-Magazin hat Auszüge aus dem Runden Tisch.

Die drei Hörexperten

Dr. Wolfgang Luxenberger, HNO-Facharzt

Dr. Wolfgang Luxenberger, HNO-Facharzt und Bundesfachgruppenobmann der Österreichische HNO-Gesellschaft

Ing. Lukas Schinko, Vorstandsvorsitzender von Neuroth

Ing. Lukas Schinko, Vorstandsvorsitzender von Neuroth und ausgebildeter Hörakustik-Meister

Ernst Trammer, Pensionist und Hörgeräteträger

Ernst Trammer, Pensionist und Hörgeräteträger

Herr Dr. Luxenberger, was können Ursachen dafür sein, dass man sein Gehör teilweise oder ganz verliert?
WOLFGANG LUXENBERGER: Der Faktor Eins ist wahrscheinlich der Lärm. Kombiniert mit dem Alter. Oft lassen sich diese beiden Faktoren nicht fein säuberlich trennen. Letztlich kommt die genetische „Ausstattung“ hinzu.

Herr Trammer, Sie haben eine Hörminderung und tragen seit geraumer Zeit  Hörgeräte. Wann und wie haben Sie erstmals bemerkt, dass Sie nicht mehr gut hören?
ERNST TRAMMER: Vor acht Jahren bin ich Wien zu einer Neuroth-Filiale gegangen, wo man mir angeboten hat, einen Hörtest zu machen. Dabei sind schon gewisse Einschränkungen diagnostiziert worden und ich dachte mir, dass ich da wohl irgendwann etwas dagegen unternehmen werde müssen. Nach ein paar Jahren haben mich meine Frau und Arbeitskollegen darauf aufmerksam gemacht, dass ich immer häufiger nachfrage, wenn ich irgendetwas nicht verstehe. Mir ist das besonders in Lokalen aufgefallen, in denen ich mehreren Schallquellen in unterschiedlichen Lautstärken ausgesetzt war. Und da habe ich mich vergangenes Jahr dazu entschlossen, zu einem HNO-Arzt zu gehen, der bestätigten konnte, dass ich auf dem rechten Ohr und speziell bei hohen Frequenzen Einschränkungen habe. Daraufhin habe ich mir bei der Firma Neuroth ein Innenohr-Hörgerät anpassen lassen.

Was sind die sozialen Auswirkungen einer Hörminderung?
WOLFGANG LUXENBERGER: Wenn man seine Umgebung nicht versteht, neigt man unter anderem dazu, misstrauisch zu werden. Das wirkt sich auf die Psyche negativ aus, man macht vielleicht ein grantiges Gesicht und das verändert wieder die Reaktionen der Umgebung. Das kann zu sozialem Rückzug und geistigem Abbau führen. Das kann man sich ja gut vorstellen und ist auch durch Forschungsergebnisse belegt.

Herr Schinko, Sie sind Vorstandschef des Hörakustikunternehmens Neuroth und deshalb auch sehr nahe an Menschen mit Hörminderung dran: Gibt es beim Erwerb von Hörgeräten nach wie vor gewisse Hemmschwellen oder ist das Thema mittlerweile enttabuisiert? 
LUKAS SCHINKO: Das Problem wird schon oft verleugnet und verdrängt. Vor allem gegenüber der eigenen Familie. Und da ist es für Betroffene natürlich auch nicht einfach, sich vor einem Hörakustiker zu outen. Durch die Kleinheit der neuen Geräte und das Design hat sich bei der Tabuisierung aber schon etwas verändert. Es spricht sich herum, dass es sich bei einem Hörgerät nicht mehr um die großen beigen Bananen handelt, die sie vor bis zu 15 Jahren einmal waren.

„Mittels Handy-App kann ich mein Hörgerät lauter und leiser sowie heller schalten. Beim Fernsehen mit meiner Frau ist das ganz praktisch!“

Ernst Trammer, Hörgeräteträger

Ernst Trammer, Neuroth-Kunde

Was sind die technischen Fortschritte der letzten Jahre? Also was Größe betrifft, Kompatibilität mit Handy etc.
LUKAS SCHINKO: Neben der geringeren Größe ist der größte technische Durchbruch der letzten Jahre sicher die Kompatibilität mit dem Smartphone. Das ermöglicht unter anderem, dass man zumindest beim Telefonieren sogar besser hört als Normalhörende, weil das Gespräch in beide Ohren gestreamt werden kann. Aber via Bluetooth kann man sich natürlich auch mit Fernsehern und anderen elektronischen Geräten verbinden. Es gibt außerdem viele Fortschritte beim Design und der Akkutechnologie. Was moderne Hörgeräte auch können, ist, ungewünschte Umgebungsgeräusche auszublenden.

Nutzen Sie diese neuen technischen Möglichkeiten auch aktiv?
ERNST TRAMMER: Mittels meiner Handy-App kann ich meine Hörgeräte lauter und leiser sowie heller schalten. Beim Fernsehen mit meiner Frau ist das ganz praktisch!

Kann man heutzutage also nun wirklich jede Form von Hörminderung technisch ausgleichen?
WOLFGANG LUXENBERGER: Es kann sich ja ganz banal um Ohrenschmalzpropfen handeln, die man mechanisch entfernt. Bei Mittelohrerkrankungen kann man operativ etwas machen. Wenn das Problem im Innenohr ist, liegt die Lösung dann eher im Hörgerät. Und dann gibt es Schwerhörigkeiten, die so weit fortgeschritten sind, also fast schon bis zur Ertaubung, wo auch ein Hörgerät nicht mehr hilft. Da gibt es die Cochlea-Implantation, bei der das Innenohr durch eine Art Hörprothese mit Mikrofon und Sprachprozessor ersetzt wird.

Vielen Dank für das Gespräch! 

Das Gespräch leitete Norbert Wally von der Kleinen Zeitung