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Podcasts, ganz nah am Ohr
DAS MAGAZIN VON NEUROTH

Podcasts, ganz nah am Ohr

Autor

Werner Schandor - Gastautor

Werner Schandor

Autor

28.01.2021

Radio machen kann heute jeder. Nur heißt es nicht mehr Radio, sondern Podcast. Die übers Internet verbreiteten Hörsendungen erfreuen sich im deutschen Sprachraum wachsender Beliebtheit.

 

Jan Böhmermann und Olli Schulz sind die bekanntesten Vertreter des deutschen Podcast-Booms: „Fest & Flauschig“ heißt ihre wöchentliche Internet-Hörsendung, bei dem die beiden Entertainer über das Leben im Allgemeinen und die Absurditäten des Daseins im Besonderen plaudern. Über 100.000 Menschen lauschen ihnen jede Woche – mehr als bei jedem anderen deutschsprachigen Podcast.

Podcast – eine Begriffserklärung

Podcast ist ein Kunstwort, das sich aus der Bezeichnung für den digitalen Apple-Walkman „iPod“ und dem englischen Radiowort „broadcast“ (ausstrahlen) zusammensetzt. Der Begriff wurde 2004 geprägt, nachdem Leute damit begonnen hatten, regelmäßig Hörsendungen aufzunehmen und im Internet zur Verfügung zu stellen – z.B. auf Medienplattformen wie „iTunes“ oder Streamingdiensten wie „Spotify“.

Auch wenn Stars wie Böhmermann und Schulz die Aushängeschilder der deutschsprachigen Podcast-Szene sind, wird das Gros der Sendungen von Leuten gestaltet, die man nicht aus Radio oder Fernsehen kennt. Ursprünglich war es ein ausschließlich von Amateuren betriebenes Medium. Die Kommunikationswissenschaftlerin Imke Hedder aus Münster spricht in einem Interview für den Podcast „Frequenz“ von einem „Verhältnis auf Augenhöhe“: „Das ist das gerade Besondere an Podcasts und anderen neuen Medien, dass die Macher nicht zwangsläufig Medienprofessionelle sind, sondern das sind Do-It-Yourself-Medien, und da ist das Machtverhältnis zwischen dem Hörer und dem Produzenten bzw. dem Podcaster ein ganz anderes als in Radio oder Fernsehen.“

Persönlicher Zugang zu Alltagsthemen

 

Noch heute hören sich viele Podcastfolgen so an, als würde man mit Freunden im Wohnzimmer sitzen: Leute, die sich zum Sendungsmachen berufen fühlen, plaudern drauf los und beglücken ihr Publikum mit mehr oder weniger interessanten Beiträgen zu allen erdenklichen Themen. Die Palette reicht von Politik über Lebensweisheiten und Karrieretipps bis hin zu Filmen, Fußball und Sex. Für die Beiträge typisch ist ein meist sehr persönlicher Zugang und die niederschwellige Aufbereitung der Themen. Dinge, die man im Radio nie hören würde, weil sie zu persönlich sind, werden in manchen Podcasts in allen Einzelheiten erörtert.

Ist ein Podcast nun ein ichbezogenes „Laberformat“, wie manche Leute sagen? Für Nicolas Semak, Podcaster der ersten Stunde und Mitbegründer des Berliner Podcast-Labels „Viertausendhertz“, besteht der Qualitätsanspruch darin, thematisch „Dinge zu suchen, die man für erzählenswert hält, die vielleicht etwas Überpersönliches haben und dem gesellschaftlichen Diskurs etwas hinzufügen können, was über eine einfache Selbstdarstellung hinausgeht.“

Mit anderen Worten: Wirklich gelungen sind die Internet-Hörsendungen dann, wenn sich aus den speziellen Erfahrungen, über die man redet, allgemeine Einsichten ableiten lassen. Die Voraussetzungen dafür sind gut, denn im Unterschied zu Radiosendungen sind Podcasts an keine Zeitfenster gebunden. Die Macher haben reichlich Gelegenheit, Dingen wirklich auf den Grund zu gehen. Wenn eine Folge mal länger dauert als die üblichen 30 oder 60 Minuten, ist es kein Malheur.

Nahe-Verhältnis auf Ohrenhöhe

 

Weil Podcasts überwiegend mit Kopfhörern über das Smartphone gehört werden – also ganz nah am Ohr des Hörers stattfinden –, stellt sich rasch ein Naheverhältnis zwischen Produzenten und Zuhörern ein. Und das wurde in letzter Zeit auch für Medienhäuser und die Werbewirtschaft zunehmend interessant – vor allem, wenn man eine junge Zielgruppe erreichen möchte, denn Podcasts sind in der Altersgruppe 14 bis 34 Jahre am stärksten verbreitet. Die Folge: Podcasts werden, um für Werbekunden attraktiv zu sein, immer professioneller gestaltet, was dem Medium prinzipiell nicht schadet. Es wäre aber bedauerlich, wenn der unverbrauchte Amateur-Charme dabei gänzlich unter die Räder käme.

Podcast hören in einem Cafe

Podcasts erfreuen sich großer Beliebtheit und können dank moderner Technik beinahe überall bequem gehört werden.


Reinhören: Podcast-Tipps

 

  • Wer Hör-Essays, informative Features und ausführliche Interviews mit interessanten Menschen mag, wird auf den diversen Podcasts des Berliner Labels „Viertausendhertz“ fündig:
    https://viertausendhertz.de/
  • „Rosi und Kosi“, der Wiener „Podcast, wo um alles geht“ (!), interviewt seine Gäste im Wirtshaus beim Mittagessen. Mit Lotte Tobisch und Toni Polster haben Rosi und Kosi bereits österreichische Legenden vor ihrem Mikrofon gehabt.
    https://rosiundkosi.at/podcarst
  • Der größte Podcast-Anbieter in der Schweiz ist die Rundfunkstation SRF. Das breit gefächerte Hörangebot reicht vom Küchen- und Koch-Podcast „A point“ bis zum satirischen Wochenrückblick „Zytlupe“.
    https://www.srf.ch/podcasts

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