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Kling, Glöckchen, kling

Die Dauerbeschallung zu Weihnachten ist keine Seltenheit (Foto: Daniil Silantev/Unsplash)

Die „stillste Zeit im Jahr“ kann ganz schön stressig sein. Oft ist zu laute Musik die Quelle des Unwohlseins. Wir zeigen Auswege aus der Adventbeschallung.

Vielleicht hat uns das alles Ronald E. Milliman von der Western Kentucky University in den USA eingebrockt: Der amerikanische Marketingprofessor hat im Jahr 1982 die bahnbrechende Studie „Using Background Music to Affect the Behavior of Supermarket Shoppers“ veröffentlicht („Mit Hintergrundmusik das Verhalten von Supermarktkunden beeinflussen“). Die Studie belegt, dass Menschen in Supermärkten, in denen Hintergrundmusik läuft, um ein Drittel länger verweilen als in solchen, in denen keine gespielt wird – und dass dort, wo Musik läuft, auch mehr eingekauft wird. Seither gibt es in der westlichen Hemisphäre so gut wie keinen Supermarkt und kaum ein Einzelhandelsgeschäft mehr ohne Hinterbeschallung.

Das wäre weiter nicht schlimm. Nur: Manche Geschäfte – vor allem solche, die ein junges Publikum ansprechen wollen – übertreiben es zuweilen mit der Lautstärke. Von 2008 bis 2015 hat in Österreich der Verein „Hörstadt“ gemeinsam mit Gewerkschaft und katholischer Kirche in der Adventzeit den „Zwangsbeschaller des Jahres“ gekürt. Dafür wurde Jahr für Jahr in Einkaufszentren und Hunderten Geschäften der Schallpegel gemessen, oft mit erschreckenden Ergebnissen: In manchen der „ausgezeichneten“ Geschäfte waren Lautstärken von bis zu 100 dB an der Tagesordnung. Das ist so, als würde man neben einer laufenden Kreissäge stehen. Der entscheidende Unterschied: Arbeiter, die solchem Lärm ausgesetzt sind, müssen einen Gehörschutz tragen. Angestellte im Einzelhandel sind der Lautstärke schutzlos ausgeliefert.

Zwangsbeschaller vs. Beschallungsfrei

„Unsere Initiative hatte insgesamt Erfolg“, resümiert der Linzer Komponist und Hörstadt-Gründer Peter Androsch, der den „Zwangsbeschaller“-Wettbewerb ins Leben gerufen hatte. „Die Aktion hat bei den meisten Shopbetreibern zu mehr Sensibilität geführt, was die Lautstärke der Musik betrifft.“

Mit seiner Initiative hat der Verein Hörstadt das Bewusstsein dafür geweckt, dass Musik nicht immer positiv wirkt. Im Gegenteil: Wenn es rundherum dudelt und schallt, erlebt man Räume als angenehm, in denen einem keine Musik auflauert. Daher wurde parallel zum „Zwangsbeschaller“ die Aktion „Beschallungsfrei – Kampagne gegen Hintergrundmusik“ ins Leben gerufen, die nach wie vor läuft. „Sie ist aktueller denn je!“, meint Peter Androsch. In Österreich, Deutschland und der Schweiz können Betreiber von Geschäften und Lokalen, die gänzlich auf Musikberieselung verzichten, dies mit einem „Beschallungsfrei“-Aufkleber an Eingangstür oder Schaufenster kundtun. Aufkleber und Infobroschüren sind über den Verein „Hörstadt“ erhältlich. 

Tipps, um dem Adventlärm zu entkommen

Was kann man nun tun, wenn man merkt, wie im vorweihnachtlichen Shoppinggewühl Puls und Stresspegel steigen, die Frustrationstoleranz rapide sinkt und die Nerven blank liegen, während Weihnachtslieder in der Dauerschleife das verbliebene Bisschen Geduld strapazieren? Wir empfehlen: Suchen Sie beschallungsfreie Räume auf, die von Hektik und Lärm verschont sind. Das können Weihnachtsmärkte in wenig frequentierten Nebengassen sein, versteckte Cafés und Geschäfte abseits des Trubels. Was vor Weihnachten aber noch viel näher liegt: Wie wäre es, einfach mal wieder in einer Kirche zur Ruhe zu kommen? Vielleicht nicht unbedingt in einem Dom, der von Touristengruppen überrannt wird. Aber in jeder Stadt und jedem Ort gibt es Gotteshäuser, die von Touristen unentdeckt sind. Das sind echte Oasen der Ruhe in der Brandung der Jingle Bells vor der Tür. Und, schöner Nebeneffekt: Hier lässt sich nicht nur neue Kraft schöpfen für die Freuden der Geschenkejagd; man kann hier auch sehr gut über den ursprünglichen Anlass für das Weihnachtsfest sinnieren und mit sich, dem lieben Gott, und allem, was einem heilig ist, in stillen Dialog treten

Autor: Werner Schandor

Infobox

Mehr über die Aktivitäten des Vereines „Hörstadt – Labor für Akustik, Raum und Gesellschaft“: www.hoerstadt.at