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Raffinierte Tierwelt: So hören Tiere
DAS MAGAZIN VON NEUROTH

RAFFINIERTE TIERWELT

So hören Tiere

24.11.2015

Unser Gehör ist individuell und äußerst komplex. Doch auch die Tierwelt mit Fledermaus, Delfin, Frosch und Co. punktet mit raffinierten Hörsystemen, die unser Ohr sogar noch in den Schatten stellen.

Tiere haben oft ein sehr feines Gehör und nehmen Geräusche in einem deutlich größeren Frequenzbereich wahr als wir Menschen. Nicht alle benutzen dabei ihre Ohren, teilweise werden auch andere Organe zum Hören eingesetzt. Wie das funktionieren kann und was man sonst noch über das Gehör von Tieren wissen sollte, haben wir hier gesammelt.

Die Motte

Motten sind zwar keine sonderlich beliebten Tiere, aber einige Arten sind wahre Hörkünstler. Die große Wachsmotte beispielsweise, die zur Familie der Zünsler gehört, kann Töne bis zu 300 Kilohertz empfangen. Damit ist sie, was den Frequenzbereich angeht, selbst den Fledermäusen überlegen. Zum Vergleich: Ein menschliches Ohr hört bis zu 20.000 Schwingungen pro Sekunde, was 20 KHz entspricht. Sehr erstaunlich ist außerdem, dass Motten Fledermauslaute aus anderen Ultraschallgeräuschen heraus erkennen können. Damit sind sie vor ihren größten natürlichen Feinden gewarnt.

Die Fledermaus

Fledermäuse sehen eigentlich mit ihren Ohren. Sie stoßen sehr hohe Rufe aus, die sich zwischen 15 und 150 Kilohertz befinden und damit hauptsächlich im Ultraschallbereich liegen. Diese dienen zur Orientierung und zur Jagd. Das Echo, das auf einen Fremdkörper trifft und reflektiert wird, gibt ihnen Auskunft über den Standort ihrer Beute. “Augentiere” arbeiten hauptsächlich mit einem passiven System, indem sie das ständige, selbst im Mondlicht indirekt verfügbare Sonnenlicht nutzen. “Ohrentiere” erzeugen durch Rufen ihre Schallwellen selbst, arbeiten also aktiv. Ohne ihr besonderes Gehör würden Fledermäuse verhungern, weil sie ihre Beute nicht orten könnten. Übrigens: Der Naturforscher Spallanzani entdeckte bereits im 18. Jahrhundert, dass sich die Tiere in absoluter Dunkelheit bewegen können, aber jegliche Orientierung verlieren, wenn ihnen die Ohren zugebunden werden. Der Grund dafür fand er nie heraus, da er sie nicht hören konnte.

Der Delfin

Delfine nutzen wie Fledermäuse ein akustisches Echoortungssystem zur Orientierung und zum Aufspüren der Beute. Ihre Ohren liegen gut versteckt hinter den Augen. Parallel zum Gehör haben Delfine außerdem ein Sonar. Das dient zur Erzeugung und Wahrnehmung von Ultraschalllauten. Am Nasengang in der Nähe des Blaslochs befinden sich Luftsäckchen, die das typische Pfeifen und Schnalzen erzeugen. Mit diesen Lauten unterhalten sie sich, was auch vom menschlichen Ohr hörbar ist. Klicklaute, die zum Jagen und zur Orientierung dienen, werden ebenfalls von den Luftsäckchen produziert, von der darüber liegenden Schädeldecke nach vorne reflektiert und in der sogenannten Melone – einer mit Fett gefüllten Aufwölbung über der Schnauze – gebündelt. Die ausgestoßenen Signale treffen nun auf Hindernisse und werden zurück reflektiert. Dieses Echo fängt der Delfin mit dem Unterkiefer auf und leitet die Information an das Innenohr weiter. Der Frequenzbereich liegt hierbei zwischen 100 und 200.000 Hz. Wenn der Delfin etwas Interessantes entdeckt, nähert er sich mit erhöhter Frequenz, damit er den Fremdkörper genauer lokalisieren kann. Sogar Herzschlag und Blutdruck seines Gegenübers sind für ihn spürbar.

Für die nachtaktiven Eulen ist das Gehör für die Orientierung und Jagd besonders wichtig.

Die Schleiereule

Für die Jagd im Dunkeln benutzt die Schleiereule vor allem ihr sehr komplexes Gehör. Ein wichtiger Teil ist der sogenannte Schleier, der von ringförmig angeordneten Federn um die Augen gebildet wird. Er formt eine Art Schalltrichter, der Geräusche direkt zu den Ohröffnungen leitet. Der Kopf wird dabei so lange hin- und hergedreht, bis die Lautstärke auf beiden Ohren gleich ist. Das Innere des Schleiers besteht aus feinen Aurikularfedern, die durch ihre Struktur den Schall nahezu ohne Abschwächung weiterleiten. Zusätzlich zum Schalltrichter sind die Ohren asymmetrisch ausgerichtet. So hört die Eule in unterschiedliche Richtungen. Das Zusammenspiel von Ohrasymmetrie und Gesichtsschleier macht Eulen zu den Wirbeltieren mit dem besten Gehör. Übrigens hat man zu technischen Zwecken begonnen, den Schleier nachzubauen, um damit Verbesserungen bei der Auflösung von Raummikrofonen zu ermöglichen.

Der Blauwal

Im Gegensatz zu Delfinen und Fledermäusen verständigen sich Blauwale durch extrem tiefe und laute Töne, die sie über hunderte Kilometer hören können. Sie geben eine Serie von Knacklauten von sich, die bis zu 188 Dezibel laut sein können. Das übertrifft die Lautstärke eines Düsenjets. Die Verständigung der Blauwale spielt sich in einem Frequenzbereich von 10 bis 40 Hz ab. Teilweise gehören diese Geräusche damit schon zum Infraschall und sind für Menschen nicht hörbar. Bis zu 30 kHz reicht das Hörvermögen von Blauwalen. Andere Walarten nehmen Töne bis über 100 kHz wahr, doch diese Arten verständigen sich nicht per Infraschall. Wale haben keine Ohrmuschel und nehmen Töne über den Unterkiefer auf. Der Knochen leitet diese über Vibrationen zum Innenohr. Das System funktioniert also ähnlich wie bei Delfinen, die ja auch zur Familie der Zahnwale gehören.

Der Hund

Hunde hören Frequenzen in einem Bereich von 15 bis 50.000 Hz. Das ist ein deutlich größerer Bereich als der, den das menschliche Ohr wahrnimmt. Die Ohrmuschel von Hunden ist zudem beweglich. Das ermöglicht ihnen eine präzisere und bessere Ortung von Geräuschquellen. Übrigens besitzen Hunde die Fähigkeit, sowohl ihren Geruchssinn als auch ihren Gehörsinn selektiv einzusetzen. Das heißt, laute Geräusche können beispielsweise im Schlaf einfach ausgeblendet werden, auf manche andere ist das Hundegehör hingegen spezialisiert, beispielsweise auf das Geräusch, wenn der Futternapf gefüllt wird. Ziemlich praktisch…

Der Frosch

Frösche haben zwar keine sichtbaren Ohren, dafür befindet sich hinter den Augen das Mittelohr mit dem Trommelfell, mit dem sie den Luftschall wahrnehmen können. Vibrationen, die am Trommelfell ankommen, werden über den Gehörknöchel ans Innenohr weitergeleitet. Das Hörsystem ist also ähnlich wie beim Menschen, wenn auch feiner. So können Frösche vor allem viel tiefere Frequenzen hören. Manche Frösche haben jedoch überhaupt kein Mittelohr, wie beispielsweise Gardiners Seychellenfrosch. Dieser gehört zu den kleinsten Fröschen der Welt, er misst gerade mal einen Zentimeter. Hören kann er mithilfe seiner Mundhöhle, mit der Geräusche aufgenommen und verstärkt werden. Die sehr dünnen Gewebe zwischen Mundhöhle und Innenohr erleichtern die Weitergabe von Geräuschen über Knochen.

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